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Das Opfer

Vor 20.000 Jahren ………….

„Der Trank aus berauschenden Pilzen, Wurzeln und Früchten haben die Sinne des jungen Mannes benebelt, so dass die Bilder in der Höhle im Schein der Talgleuchten zu Leben begannen. Er ist bereit auf die andere Seite zu gehen. Das Dröhnen der Trommeln und die monotonen Gesänge seines Stammes tun ihr übriges. Seine Augen verdrehen sich als die Extase über ihn kommt. Ihn hat das Los getroffen für seinen Stamm zu den Geistern zu gehen und vor die Große Mutter zu treten um Hilfe für den Stamm zu erflehen.“

 

Dieses Jahr sind die Herden der Wisente nicht gekommen und alle Beschwörungen und Opfer des Schamanen haben nicht geholfen, die Große Mutter und die Geister antworteten nicht. Die Vorräte sind erschöpft und der Wald erwacht gerade erst aus seinem Schlaf. Dieses Jahr war der Winter besonders hart gewesen. Mit dem letzten Schnee hätten die Herden kommen müssen, doch sie kamen nicht. Hunger und Krankheit bedrohen den Stamm in seiner Existenz. Einige Alte sind schon auf die andere Seite gewechselt und auch ein Baby hat die ersten Tage nicht überlebt. Aus diesem Grund hat der Schamane und der Rat der Ältesten beschlossen einen Boten zu senden, einen Boten der nicht wie der Schamane durch die Nebel geht, nein, diesmal es ist so wichtig und dringend, dass er direkt in Welt der Geister und der Großen Mutter gehen muss und dieser Bote war er, auf ihn war das Los gefallen, ihn wollte die Große Mutter sehen! Sein Tod, sein Opfer wird den Stamm retten.

 

Obwohl die anderen kaum etwas zu essen haben, wird er mit allem versorgt. Er hat genug zu essen und zu trinken. Er muss stark sein, wenn er seine Reise antritt. Für den Stamm ist es wichtig, dass er, der Auserwählte der Großen Mutter, nach seinem Gang in die Geisterwelt dem Stamm nicht verloren geht. So ist er in den Nächten nicht alleine und die Frau, die an seiner Seite liegt, wird hoch geachtet, denn Sie wird das Kind eines Boten zur Welt bringen, er wurde von der Großen Mutter auserwählt. Dieses Kind wird etwas besonders sein und dem Stamm das Überleben erleichtern. Von diesem Vollmond bis zum nächsten Vollmond wird sie jeden Abend bei Ihm liegen. Dann wird es sich auf den Weg machen.

 

Der Mond hat seine volle Größe erreicht, die Zeit des Opfers ist gekommen. Er ist vorbereitet. Eine heilige Reinigungszeremonie in der Schwitzhütte hat alles Irdische von ihm genommen. Noch einmal hat er alle Geister von den Tieren die er getötet hat geehrt und versöhnt. Heilige Kräuter wurden verbrannt und ein berauschender Trank gereicht. Alles tat jetzt seine Wirkung. Er wird angezogen und geschmückt. Ein weißes Fell soll nun seine Reinheit darstellen. Die Trommeln beginnen zu dröhnen. Der gesamte Stamm  hat sich zusammengefunden. Alte und Junge stehen vor der Hütte aus Zeigen und Fellen und erwarten den Boten. Stille breitet sich aus und das bleiche Licht des  Mondes erhellt den Platz.

Als das Fell das den Eingang der Hütte verschloss zurückgeschlagen wird und der Bote heraustritt, entlädt sich die Spannung in einem infernalischen Kreisen und Schreien.

 

Unter dem monotonen Schlagen der Trommeln setzt sich der Zug in Bewegung in Richtung der Höhle. Die Höhle ist der Schoß der Großen Mutter und dort haben die Schamanen und Jäger seit Jahrhunderten mit ihren Bildern einen Ort der Magie und der Kommunikation mit der Welt der Tiergeister und der Großen Mutter geschaffen. Hier wird es im Kreis des Schamanen, der Ältesten und der Jäger geschehen. Der Bote wird auf seine Reise zur Großen Mutter geschickt in die Welt der Geister.

 

„Jetzt sieht er sie, die Grosse Mutter, gesichtslos mit ihren gewaltigen Schenkeln und riesigen Brüsten und neben ihr die tanzenden Wisente. Er spürt den Schlag nicht, der seine Schneidezähne aus seinem Kiefer brechen, er sieht nur Sie und die tanzenden Wisente und als der entscheidende Schlag seinen Schädel zertrümmert, entgleitet er in die Tiefen der anderen Welt. Er der Bote seines Stammes hat die tanzenden Wisente gesehen, sie werden kommen – sie werden kommen ...............“ Die Worte sprudeln mit seinem mit Blut vermischten letztem Atemzug aus seinem Mund!“ Die Anwesenden brechen in tosenden Jubel aus, die Trommeln dröhnen und draußen vor Höhle hören die Anwesenden dumpf den Jubel „Wir werden leben, der Bote ist bei Ihr angekommen“ sagt die zahnlose Alte. „Wir werden leben!“

So oder ähnlich kann es gewesen sein. Steinzeitliche Opferfunde weisen verschiedenste Verletzungen auf und vielfach fehlen den Opfern die Schneidezähne. Das Menschenopfer zieht sich durch die Geschichte und man findet sie in allen  Kulturen auf der ganzen Welt. Egal ob in der Steinzeit, bei Kelten und Germanen, Römern überall sind sie belegt. Natürlich wirkt es für uns heute befremdlich einen Menschen zu töten um ihn als Boten zu den Göttinnen und Göttern zu schicken oder als Opfergabe für eine Sieg, so wie es die Cherusker unter Arminius (Hermann ) nach der Schlacht gegen die Römer taten, wo sie die Pferde und besiegten Römer rituell töteten und ihre Leichen in die Bäume hängten.

 

Doch wie befremdlich es uns heute auch vorkommt, so sind wir immer noch bereit Menschenopfer hinzunehmen um sie heute Dämonen, die sich als Götter aufspielen, zu opfern. Individuelle Mobilität fordert jedes Jahr Menschenopfer, der sogenannte Fortschritt fordert seine Opfer und wir überlassen sie ihm. Wir vergiften die Erde um an Erdgas oder Gold zu kommen. Wir opfern sinnlos und ohne Verstand unsere Zukunft.

 

Hier geht es nicht um platte Zivilisationskritik, sondern darum, das wir Dinge als gegeben hinnehmen, ohne zu hinter fragen ob es nicht auch anders ginge!

 

Das Opfer, also der endgültige Verzicht auf etwas, das freiwillige ab- oder aufgeben wird, ist eine der Grundsubstanzen eines erfolgreichen Rituals. Wir opfern heute keine lebenden Wesen, weder Tiere geschweige denn Menschen, doch wir sollten uns überlegen, ob wir nicht ein Opfer bringen, wo uns der Verlust auch wirklich etwas bedeutet. Wir müssen auf etwas verzichten um etwas anderes zu gewinnen.

 

In der heutigen Zeit ist ein Tausch- oder Energieobjekt Geld. Doch nicht nur heute. Wir wissen von Kelten und Germanen, aber auch andere Stämme, das diese vielfach auf ihr Beutegut verzichteten, Gold und Waffen in Seen und Flüssen versenkten.

 

Für einige ist der Kauf von Räucherwerk und Kerzen etc. schon eingewaltiges Opfer, für andere eine Kleinigkeit, die nicht weiter belastet. Hier möge der- oder diejenige überlegen, was er oder sie in dem Ritual sonst noch opfern möchte, sei es ein Schmuckstück, etwas individuell gefertigtes z.B. eine Skulptur an der Ihr lange gearbeitet hat um sie herzustellen oder ein Sandmandala oder Ihr legt in die Opferschale einen Scheck für eine Umweltorganisation oder das nahe gelegene Tierheim! Natürlich gilt dies für die großen Rituale, wo Ihr etwas Entscheidendes bewirken wollt.

 

In den alltäglichen kleinen Ritualen genügt ein Apfel, eine Kerze, etwas Weihrauch und Wein. Wir müssen das Opfer annehmen, so dass es die Göttinnen und Götter auch annehmen können. Das Opfer schafft Platz für das neue was wir mit dem Ritual erreichen wollen.

 

Ich  weiß ein Ritual, das mit „billig will ich“ Mentalität durchgeführt wird, ein solches Ritual ist von vorn herein zum Scheitern verurteilt und wird das Gegenteil bewirken, bestenfalls erfolglos sein!

 

Meine Bitte also an alle die sich mit Magie und Heidentum befassen und es leben wollen. Bedenkt immer eines, wenn ihr euch magische Dinge zulegt, egal ob Werkzeug oder Zubehör, es muss es euch wert sein! Jeder Zweifel beinhaltet den Misserfolg.

 

Hört auf Eure innere Stimme, Sie wird Euch leiten!

 

Wenn Euch etwas anspricht und ihr habt es gefunden und sagt euch, das ist es, dann kauft es ohne zu feilschen, denn es wurde euch in diesem Augenblick präsentiert. Der Preis ist das Opfer, das ihr bringen müsst!

 

Wenn ihr jetzt sagt, och ich schau mal ob es das nicht irgendwo noch billiger gibt, dann habt ihr es verloren, wenn ihr euch es dann billiger woanders kauft. Denkt immer daran, dass Ihr Euch auf einem spirituellen Weg befindet und auf diesem Weg bekommt ihr alles präsentiert, zum richtigen Zeitpunkt und zum richtigen Preis! Nehmt es an oder ihr verlasst Eure Reise!