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Gegen Missionierung

"Ich bin überzeugt, daß wir die Entdeckung Amerikas feiern dürfen. Den Indianern fehlte in ihren großartigen Hochkulturen vor der Ankunft der Europäer das Rad und die Schrift. Vor allem aber brachten ihnen die Europäer den Glauben an Christus, den Erlöser aller Menschen."

( der Grazer Völkerkundler und Lateinamerika-Missionar Msgr. Dr. Anton Lukesch, Ehrendoktor der Universität Wien; zit. nach Südwind, H. 1/2, 1992 )

 

Nichts vernichtet eigenständige Kulturen mehr als der Verlust der eigenen Wertvorstellungen und des eigenen Glaubens. Auch heute noch vernichten auf dieser Welt Missionare Stämme und Volksgruppen in dem sie sie kulturell entwurzeln und ihnen ihre Moral- und ihre Glaubensvorstellungen rauben.

Vor allem die katholische Kirche hat sich seit jeher an Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Ausrottung von Kulturen und Völkermord schuldig gemacht. Alle Entschuldigungen sind bisher halbherzig geblieben und habe sich auf Fehlverhalten einzelner, aber nie auf die " Mutter Kirche" bezogen!

Selten hört man dann mal einen der Missionare sinnieren, wie man denn die Kultur der Amazonasindianer retten kann und ihre Seelen. Wohl an der schon mal so denkt, doch im Endeffekt muss er ihre Seelen retten und da hat das irdische Überleben einen geringeren Stellenwert.

Keine Religion, kein spiritueller Weg ist besser oder schlechter als der andere. Doch es sind die Menschen die ihre Religion oder Ihren spirituellen Weg als den einzig Wahren Weg darstellen. Wir müssen uns immer klar sein: Es ist unser Weg ganz alleine. Es sind die Göttinnen und Götter die uns, und nur uns allein den Weg weisen. Kein anderer Mensch, keine Bücher sind Gesetz und Herrscher über unseren persönlichen Glauben und unserem persönlichen spirituellen Weg. 

 

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Hatuey und der Himmel der Christen

Auf diesen Inseln, an  diesen Stätten der Erniedrigung, gehen viele freiwillig in den Tod. Sie erhängen sich oder vergiften sich zusammen mit ihren Kindern. Die Invasoren können diese Rache nicht verhindern, aber sie haben eine Erklärung dafür. Die Indianer sind, so heißt es bei Oviedo, so wild, daß sie alles für Gemeinbesitz halten, und sie sind von Natur aus faul und lasterhaft und arbeiten wenig... Viele von ihnen machten sich zum bloßen Zeitvertreib, um nicht arbeiten zu müssen, mit Gift den Garaus, und andere knüpften sich mit eigenen Händen auf.

Hatuey, der Indianerhäuptling in der Guahaba-Region beging nicht Selbstmord. Er floh mit den Seinen auf einem Kanu von Haiti und tauchte in den Höhlen und Wäldern Ostkubas  unter.

Dort zeigte er auf einen Korb Gold und sagte:

"Das ist der Christengott. Seinetwegen verfolgt man uns Seinetwegen mußten unsere Eltern und Geschwister sterben tanzen wir ihm etwas vor! Wenn ihm unser Tanz gefällt, gebietet dieser Gott, daß man uns nicht mißhandelt."

Drei Monate später wird Hatuey ergriffen.

 Er wird an einen Pfosten gebunden.

Bevor das Feuer entfacht wird, das ihn zu Asche und  Kohle verbrennen soll, verspricht ihm ein Priester Seligkeit und ewigen Frieden, falls er sich taufen läßt.

"Kommen in diesen Himmel auch die Christen?"

"Ja."

 Hatuey entscheidet sich für die Hölle, und das Brennholz beginnt zu knistern.

 ( Eduardo Galeano )

aus dem Indianerkalender 93, ISBN 3-88977-297-8, Lamuv-Verlag