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julfeuer

Jul

Das christliche Weihnachtsfest basiert auf dem wesentlich älteren Julfest, dem Fest der Widergeburt des Lichtes.  

In dieser längsten Nacht des Jahres erfüllt sich das Versprechen der Wiedergeburt. Die Natur ringsherum ist augenscheinlich tot und regungslos. Die Bäche sind im Eis erstarrt und fließen nicht mehr, die Bäume stehen blatt- und leblos in der schweigenden Natur. Der Schnee bedeckt alles wie ein Leichentuch. Doch in dieser Nacht geschieht das Wunder. Die Göttin gibt dem Gott neues Leben. In dieser Nacht wird er wiedergeboren. Die Dunkelheit ist vorbei, die Nächte werden kürzer und was Tod schien und verloren wird wieder erwachen.

Das Julfest markiert eine Wende im Jahr, die Wende hin zum Licht, zum Leben und zur Erneuerung. Wenn für die Christen Jesus das Licht in der Dunkelheit ihrer Existenz ist, so ist es für uns Heiden, deren Göttinnen und Götter nicht in einem imaginären fernen Himmel leben, sonder direkt in unserer Nähe, dann bedeutet die Geburt des Lichtes, das das Licht wieder in die reale Welt zu uns zurückkehrt. Die Sonne hat ihren absoluten Tiefststand erreicht und nun wendet sich das Blatt. Die Göttin, die greise Alte, die das Land, das totenähnlich schläft repräsentiert, schenkt dem Sonnen- und Vegetationsgott sein neues Leben, er wird wiedergeboren. Hier ist eigentlich der fundamentale Unterschied zum Christentum zu sehen. Während der christliche Heros in einer linearen Entwicklung steht das heißt, er wird geboren, er lebt und er opfert sich und stirbt und fährt dann in den Himmel, so steht unser Heros für das Rad, für einen Kreis, in dem sich alles wandelt und verändert, doch nie zu einem Abschluss kommt. Unser Gott wird geboren, er lebt, er opfert sich, doch er beendet seine Aufgabe nicht, sondern wechselt durch seinen Tod in die Unterwelt um von dort wieder auf die Erde zu kommen, also wiedergeboren zu werden.

 

Auch für uns symbolisiert dieses Fest einen Neuanfang. In vielen alten Traditionen wird an diesem Tag in den Häusern alles Licht gelöscht und alle Feuer. Nun wird draußen ein Feuer angezündet und dieses Feuer wird dann in die Häuser getragen und damit werden die Lichter entzündet. Die Zeit zwischen den Zeiten, also zwischen Samhain und Jul ist damit beendet und ein neues Licht und ein neues Herdfeuer läuten ein neues Jahr ein mit neuen Aufgaben, neuen Hoffnungen. Jul ist die Zeit der neuen Pläne und Hoffnungen und der Erkenntnis, dass die Dunkelheit nicht ewig währen kann.

 

Eine andere  Geschichte ist die der Herrschaft zweier Könige, die sich an den Sonnenwendtagen bekämpfen und der jeweilige Sieger dann die entsprechende Hälfte des Jahres beherrscht. So kämpfen in der Nacht der Wintersonnenwende, der Eichenkönig des lichten Jahres gegen den Stechpalmenkönig des dunklen Jahres. Es sind der Helle und der Dunkle Zwilling, der eine hat die Kraft alles wachsen und gedeihen zu lassen, der andere die Kraft alles zur Reife und zur Ernte und somit zum Ende zu bringen.

 

Der Julbaum ist ein Nachhall des Ygdrasil, dem Weltenbaum der germanischen Mythologie.